Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gibb River Road- Lennard Gorge & Bell Gorge

Selbstverständlich erreichten wir die Lennard Gorge pünktlich zur Mittagshitze. Naja was solls, nun sind wir schon mal da, da können uns die 3km jetzt auch nichts mehr anhaben. Hauptsache wir nehmen ausreichend Trinkwasser mit. Echt unglaublich, wie viel Dust man hier hat. Da muss einen keiner mehr daran erinnern, viel zu trinken. Das passiert von ganz allein. Wichtig ist, oft wenig zu trinken, anstatt selten viel. Das verhindert die Dehydrierung. Leider konnten wir in dieser Schlucht nicht schwimmen, da der Abgang ohne Kletterausrüstung nicht zu bewältigen war. Dafür wurden wir am Nachmittag mit einem kühlen Bad im prächtigen Badepool der Bell Gorge entschädigt. Allerdings war der Zugang zur Gorge mit einer 8km langen Holperpiste und der Durchquerung eines Wasserlochs gar nicht mal so ohne. Bevor wir durch das Wasserloch fuhren, hielten wir an. um seine Tiefe zu inspizieren. Da unser Auspuff nicht nach oben ausgerichtet ist, könnten wir bei einem zu hohen Wasserstand Probleme kriegen. Nur war das Wasser sehr trüb und wir konnten den Grund nicht sehen und den Wasserstand abschätzen. Aber wie heißt es doch so schön ... No risk no fun! Also fuhr Chris auf gut Glück mal los, während ich auf der anderen Uferseite stehen blieb und den Auspuff im Auge behielt, stets bereit, los zu schreien, würde das Wasser ihm zu nahe kommen. Glück gehabt! Alles gut gegangen. Fantastisch! Und nun? Muss ich auch noch irgendwie auf die andere Seite kommen. Ab durchs Wasserloch! Immerhin kann ich jetzt sagen, die schuhe halten, was ihr Verkäufer mir versprochen hatte: Sie sind wasserdicht ;) 1,zs km trennten uns noch von der Schlucht. Das Stück Wanderweg hatten wir schnell hinter uns gebracht, wollten wir doch endlich im kühlen Nass schwimmen. Endlich geschafft. Ja hier kann man es aushalten :) Tolle Atmosphäre! Und das Wasser hat eine äußerst angenehme Temperatur.

Übernachtet haben wir auf der Campsite in unmittelbarer Nähe zur Bell Gorge. Gegen 19:45 Uhr knipste ich die Taschenlampe aus und fiel innerhalb einer Sekunde in einen 10-stündigen Dornröschenschlaf. Die 12km, die wir heute insgesamt zu Fuß hinter uns gebracht hatten und die Hitze hatten mich wohl ziemlich geschlaucht.

Gibb River Road- Windjana Gorge

Am Morgen verließen wir das kleine, beschauliche Broome und fuhren Richtung Derby. Die letzte Stadt, bevor das große Abenteuer auf der Gibb River Road beginnt. Die letzte Möglichkeit, zu tanken, das letzte Mal Empfang, zum letzten Mal einkaufen. Gruseliges Städtchen sag ich euch. Nichts los. Irgendwie wirkt es auch, als sei es zu groß geraten. Alle paar Hundert Meter mal ein Haus. Zwei Cafes, ein Restaurant, ein Supermarkt und ein Roadhouse. Niemand war auf den Straßen. Das einzige Leben. das wir sahen waren die im Schatten groß gewachsener Bäume sitzenden Aboriginiegruppen. Wir kauften einen 15 Liter - Wasserkanister und fuhren am Visitor Center vorbei, um uns über die Straßen - und Wetterbedingungen der Gibb River Road zu informieren. Doch leider war dieses entgegen der Information aus dem Reiseführer sonntags geschlossen. An der Tür hingen glücklicherweise alle aktuellen Daten. Es würde die nächste Zeit nicht regnen und deshalb sind fast alle Straßen befahrbar.

An der Zufahrt zur Gibb River Road befindet sich der Boab - Prison Tree. Ein riesiger Baum mit einem sehr großen Hohlraum. Dieser Hohlraum diente damals dazu, Aboriginies darin gefangen zu halten. Nicht nur dafür war der Baum sehr praktisch, er hatte noch mehr zu bieten. Einige Teile waren essbar, andere waren gut für die Medizin. Außerdem spendete er schatten. Buschfeuer und extreme Dürre überlebt er, nur Gewitterblitze können ihm gefährlich werden.

"Nächste Tankstelle in 300km" steht auf dem Schild am Eingang zur Gibb River Road. Dann geht es jetzt wohl los! Gegen 16 Uhr erreichten wir unser erstes Ziel auf der Gibb River Road, die Windjana Gorge. Herrlicher Anblick, wie die tief stehende Sonne die hohen  Felswände in ein hell leuchtendes Orange taucht. Direkt hier am Fuße der Wand der Windjana Gorge ist auch der Campground. Ich weiß nicht wie sie es geschafft haben, aber es gibt fließendes Wasser - mitten in der Wildnis. Duscheeeen! :) Genial! Diesen Abend war es so warm and windstill, dass wir nach Sonnenuntergang noch in kurzen Sachen draußen sitzen und Karten spielen konnten, ohne, dass sie wegflogen. Heute Nacht ließen wir die Verdecke des Zeltes offen. Nur die Fliegengitter schlossen wir, so kam wenigstens etwas Luft hinein. Wenn man im Zelt auf dem Rücken liegt, hat man durch das Fenster am Kopfende einen super Ausblick gen Sternenhimmel. Oder man schaut einfach mal raus, was unter dem Zelt so passiert. Von zeit zu zeit hüpfen ein paar Kängurus auf der Suche nach Nahrung vorbei.

Morgens früh um 7 standen wir in den Startlöchern, den 7km langen Trail durch die Windjana Gorge zu bewältigen. Am Eingang zur Schlucht warnten uns Schilder vor Krokodilen und Schlangen. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch machten wir uns auf den Weg, Krokos haben wir tatsächlich gesehen, die waren aber relativ klein und harmlos. Schlangen sind uns zum Glück keine begegnet. Dafür aber Kängurus und hunderte von Flughunden. Ihre Geräusche hörten sich an wie ein Gemisch aus Affengebrüll und wiehernden Pferden.

Northern Territory-Katherine

Das Ende der Gibb River Road ist in Sicht. Einen Fluss durchqueren wir noch und dann liegt der asphaltierte Victoria Highway vor uns, der ns in der Bundesstaat Northern Territory führt. Wuhu hier liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 130. Die letzten drei Wochen hatten wir uns mit 110 begnügt. Gefrühstückt wird in Auto mit Blick über die Weiten der Kimberleys. sieht aus wie bei König der Löwen :) Gegen die Mittagszeit heißt es wieder Tanken. Hier gibt es sogar "Free Calfee for Drivers". Eine sehr willkommene Nettigkeit. Hier in Northern Territory verschiebt sich die Zeit um weitere eineinhalb Stunden. Anstalt 6 leben wir jetzt 7 1/2 Stunden vor Deutschland. Nächste Rast ist das Victoria Roadhouse direkt am Victoria River. Tanken, Eis und Cola. Das übliche. Mittlerweile freuen wir uns schon fast auf die Tankstopps, weil es da immer eine kühle Erfrischung gibt. Auf unserem Weg in der Norden schrumpften die monströsen Termitenbauten zu Minihügeln. Eine der vorbeifahrenden Passanten machten sich einen spaß daraus, diese mit Tshirts zu bekleiden :D

Insgesamt verbrachten wir heute fast 11 stunden damit, unseren Jeep gen Norden zu bewegen. Ehrlich gesagt bin ich fast froh darüber, den Tag im klimatisierten Auto verbringen zu dürfen. Die paar Mal zum Tanken aussteigen haben definitiv gereicht. Nach drei Nächten in der Wildnis fahren wir heute Abend mal wieder einen ordentlichen Campingplatz an. Heute steht nämlich unbedingt mal wieder Wäsche waschen an. während unsere Wäsche sich in der Trommel dreht und  säubert, erkunden wir den riesigen Campingplatz und entdecken den äußerst einladenden Swimming Pool. Lange hat es nicht gedauert, da hatten wir die Badesachen an und schwupps die wupps waren wir im Pool. Einfach nur wunderbar bei diesem Wetter! Zum Abendessen nutzten wir mal wieder des Luxus der Campküche aus. Hier trafen wir ein australisches Ehepaar, mit dem wir uns unterhielten. Als wir ihnen erzählten, dass wir aus Deutschland kommen, wurde es allmählich paradox. Sie gaben aus Reisetipps für Deutschland und wir ihnen für die Westküste Australiens. Da wurde doch wieder einmal deutlich, wie wenig man sich doch in seinem eignen Land reisetechnisch auskennt. Das muss ich unbedingt ändern, wenn ich mal wieder in Deutschland bin ;-) 

Morgen früh machen wir uns auf zum Kakadu National Park, dem größten von Australien. Dort bleiben wir dann bis Montag. Ciaoi :)

North West Coast-Port Hedland & Broome

Unser nächstes großes Ziel ist Broome. Insgesamt trennen uns 1000 Kilometer von unserem Ziel. Gestern früh machten wir uns auf den Weg nach Port Hedland, das liegt auf dem Weg. Nachdem wir die Pilbara- Region verließen, folgte landwirtschaftliche Einöde. Australische Steppe, wenig Grün, wenige Bäume. Irgendwann erschienen wieder Bäume am Straßenrand, die waren allerdings schwarz. Allem Anschein nach hatte es hier viele Buschbrände gegeben. Auf dem Weg nach Port Hedland fiel uns ein unglaublich hohes Aufkommen von Road Trains auf (Lkws mit teilweise bis zu fünf oder sechs Anhängern). Dies zeugt wohl daher, dass  wir auf der Hauptverkehrsader zwischen dem Eisenerzlager in Tom Price und dem Verschiffungshafen in Port Hedland fahren. Nach vier Stunden hatten wir die Industriestadt Port Hedland erreicht. Geblieben sind wir allerdings nicht lange, denn schön war es hier keineswegs. Die Stadt sah aus wie aus einem Computerspiel, so irreal. Überall wo man hinsah türmten sich Stahlberge, gefolgt von monströsen, metallischen Gerätschaften auf. Auf zum Verladepier und Ausschiffungshafen. Kein Vergleich zum Hamburger Hafen. Also nicht unbedingt sehenswert. Schnell noch Obst, Wasser und Brot einkaufen. Und weiter gehts. Vor uns liegt ein 600km langer, einsamer Streckenabschnitt ohne Städte, ohne Parks ohne nichts. Nach ca. der Hälfte des Weges legten wir eine Rast am Sandfire Roadhouse ein, um zu tanken. Bei solchen Gelegenheiten gönnen wir uns meist ein Eis oder ne kalte Cola, weil das Sachen sind, die wir nicht auf Vorrat einkaufen können. 100 km kamen wir an diesen Tag noch weit, dann ging die Sonne unter. Übernachtet haben wir auf einem 24h-Rest Area-Parkplatz. Fünf weitere Campingmobile hatten hier noch genächtigt. Das war die erste Nacht, in der es nicht mal ein bisschen abgekühlt hat. Zum draußen sitzen ist das äußerst angenehm, zum im Zelt Schlafen eher weniger. Umso weiter wir in den Norden vordringen, umso wärmer wird es.

Heute Morgen brachten wir schließlich die letzten 200 Kilometer nach Broome hinter uns. Siehe da! Ein McDonalds inklusive McCafe, da konnte ich nicht dran vorbeifahren. Ein ordentlicher Kaffee aus der Maschine musste her! Lecker :) Da wir nun 4 Tage lang kein fließendes Wasser gesehen hatten, verspürten wir das dringende Bedürfnis nach einer Dusche. So checkten wir also schon morgens auf dem Campingplatz unserer Wahl ein. Ich war so hoch erfreut darüber, mal einen Tag in der Zivilisation zu verbringen, dass ich sogar genüsslich ein bisschen Rouge und Wimperntusche auflegte. Nachdem wir uns wieder frisch fühlten, schlenderten wir eine Weile über den Broome-Wochenendmarkt, wo es allerhand zu kaufen gab. Am Abend wollten wir uns einen Film in einem der weltweit ältesten Kinos anschauen. Vorbildlich wie wir sind, informierten wir uns vorher, welcher Film läuft und wollen Karten vorreservieren. Dabei erfuhren wir, dass das Kino ausgerechnet heute Abend an eine Hochzeitsgesellschaft vermietet ist. Sehr traurig waren wir aber nicht, denn wir hatten bereits ein Alternativprogramm zur Hand. Im Reiseführer wurde eine Strandbar am Cable Beach empfohlen. Hier soll man den für den Cable Beach berühmt berüchtigten Sonnenuntergang aus erster Reihe miterleben. Doch bis die Sonne untergeht dauert es noch seine Zeit. Also machten wir uns auf den Weg zum Hafen, von wo aus man einen grandiosen Ausblick auf das türkise Meer des Cable Beach hat. Zum Schwimmen ist der Strand allerdings nicht geeignet, denn die Gewässer hier sind die Heimat von Haien, Salzwasserkrokodilen und giftigen Quallen. Der Schein des so wunderschön blau strahlenden Wassers trügt. Darauf weisen auch Warnschilder am Strand hin. Von 14 -17 Uhr hat der Wilderness Park geöffnet. Das war unser nächstes Ziel, die Krokodilfarm Broomes. Ein relativ beschaulicher, kleiner, aber feiner Park, der ein Zuhause für die gefährlichsten Raubtiere Australiens bietet. Um 15 Uhr fand die Krokofütterung in einer Art familiären Atmosphäre statt.  Der Ranger führte uns durch den Park, als wäre es sein Wohnzimmer. Man spürte, dass er schon ewig auf dieser Farm arbeitete und jeden Zentimeter der Gehege sowie jedes Tier und seine Macken kannte. Zuerst wurden die australischen Salzwasserkrokodile gefüttert, dann ging es weiter zu den Alligatoren. Es folgten die australischen Süßwasserkrokodile. Während  der Fütterung wurde deutlich, wie schnell Krokodile agieren können. Ich möchte keinem in freier Wildbahn begegnen. So schnell kannst du gar nicht hinschauen, da hat es schon deinen Arm oder dein Bein im Maul. Und damit nicht genug! Innerhalb von einer Sekunde wird das Krokodil sich um seine eigene Achse gedreht haben und dir so die Extremität abreißen, welche es im Maul hat. Die sogenannte "Todesrolle". Des Weiteren beherbegt der Park noch Dingos, eine Mischung aus Wolf und Hund. Zusammen mit den Aborigines waren sie die ersten Bewohner Australiens. Gefährlich sahen die aber nicht wirklich aus, eher süß und zierlich. Liegt vielleicht daran, dass sie hier im Park das Jagen verlernen und eher wie Haustiere gehalten werden. War auf jeden Fall ein interessanter, aufschlussreicher Nachmittag im Wilderness Park.

Abends ging es zur Strandbar an dem Cable Beach. Hier war vielleicht was los. High life! Gut, dass wir unseren Tisch in der Bar vorreserviert hatten. Und der Sonnenuntergang war wirklich sagenhaft. Das sensationelle Schauspiel des roten Feuerballs am Himmel zieht sich dankenswerterweise über 50 Minuten hin. Schon früh beginnt der Himmel, sich rötlich, orange und lila zu färben. Das will keiner verpassen! Kein Wunder, dass hier so viel los ist. Ich traute mich fast gar nicht, auf mein Essen zu schauen, wollte ich doch keine Sekunde des Spektakels am Horizont verpassen. Eins muss ich sagen: Bei so einem Anblick schmeckt das Essen gleich 1000 Mal besser.

Zurück auf dem Campingplatz, der quasi nur von jungen Leuten bewohnt wurde, wurden wir von drei verschiedenen Musikstilen aus drei unterschiedlichen Boxen aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen in den Schlaf begleitet. So kannten wir das nicht. Gewöhnlich verkrümelten sich die anderen Zeltplatzbewohner nach Sonnenuntergang binnen kürzester Zeit in ihre Camper und dann war es mucksmäuschenstill. Auch am nächsten Morgen. als wir mit den ersten Sonnenstrahlen aufstanden, um eine Runde am Strand zu joggen, waren wir die einzigen Frühaufsteher. Alle anderen lagen noch in den Federn. Normalerweise war zu dieser Zeit schon reges Getummel auf den Campingplätzen. Das hier alles anders war lag wohl daran, dass dies ein Campingplatz in einer Stadt ist. Und wen zieht es hierher? Richtig. Die Work and Traveller ;) Die vielen Jugendlichen wohnen also teilweise monatelang auf diesem Campingplatz bis sie weiter ziehen und sich eine andere Arbeit in einer neuen Stadt suchen.

Heute Morgen machten wir den letzten Großeinkauf, denn heute beginnt das richtige, echte Abenteuer! Diesen Abend werden wir bereits die ersten Kilometer auf der Gibb River Road gefahren haben. Um diese unbefestigte Straße durch die Kimberleys fahren zu dürfen, mussten wir uns eine Extragenehmigung bei der Autovermietung einholen. Diese Straße war im Grunde auch der Hauptgrund, warum wir unbedingt einen 4 WD mieten wollten. Ab in die Wildnis. Tschüssi  : D

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Pilbara-Karijni National Park

Action, Fun und Spannung Pur! Unter dem Motto standen die letzten zwei Tage im Karijni National Park in der Pilbara Region. Gestern in der Früh erreichten wir den Park und machten uns gleich auf Entdeckungstour. Die ersten Trails mit Schwierigkeitsstufe 5 auf der Wanderskala standen uns bevor. Das ist die letzte Stufe bevor man die Trails nur noch mit Kletterequipment passieren kann, das wäre dann Stufe 6. Gestern erkundeten wir insgesamt drei Schluchten. Echt der Hammer, diese Trails, welche direkt hinunter in die Tiefen der Canyons führen. Am Ende jeder Schlucht erwartete uns ein Naturpool, in dem wir natürlich immer ein Bad nahmen. Dankbar für die Erfrischung bei der Hitze :) Einer der Trails war überaus tricky. Nachdem man den Hang hinunter geklettert war, stieß man auf eine ca. 30 Meter lange Schlucht, gefüllt mit Wasser, welche man durchqueren bzw, durchschwimmen musste, um den Trail zu vollenden und zum Naturpool zu gelangen. Also heißt es: Rucksack abschnallen. Alles da lassen samt Autoschlüssel, Kamera und Handy. Man vertraut sich hier gegenseitig. Alle sitzen im selben Boot. Niemand will dem anderen den Urlaub verderben. Wir tauschten die Wanderschuhe gegen Wasserschuhe aus, denn teilweise heißt es trotzdem noch weiter klettern und das funktioniert mit den Wasserschuhen auf dem glitschigen Boden eindeutig besser. Die Hälfte hatten wir hinter uns gebracht, da wurde ich wohl unvorsichtig. Klatsch! Da lag ich dann. Aufstehen ging nicht mehr, es war zu rutschig und dazu war die Ebene noch abgesenkt. Also rutschte ich einfach hinunter, Festhalten half hier auch nicht weiter. Hab mir zum Glück nicht wehgetan, es war eher witzig in dem Moment, weil ich einfach nicht mehr hoch kam und immer weiter rutschte. Eine Familie, die das Spektakel mitbekommen hatte, fragte mich, ob alles 0K wäre. Nachdem ich selbst anfing zu lachen, lachten sie mit mir. Trotzdem warnten sie mich vor dem nächsten Stück, das sei extrem rutschig. Hmmm aber da ich mir nicht weh getan hatte wollte ich weiter! schließlich würde mich am Ende des nächsten Stücks einer der laut Reiseführer sehenswertesten Naturpools erwarten. Ich lunste einmal um die Ecke und sah mir das nächste Stück Weg an. OH!!! Letzte Möglichkeit zum Umkehren ist dann wohl jetzt. Aber nein, da muss ich nun durch. Vor uns lag eine circa 100 Meter lange und 1 Meter breite Schlucht, in der das Wasser knöchelhoch stand. Normal durchlaufen geht also nicht, da der Grund so rutschig wie eine Eisbahn sein dürfte. Am Anfang versuchte ich noch, nur auf die trockenen Steine zu treten, aber irgendwann waren keine mehr da. Was nun? Ich kletterte wie eine Spinne die Wände hoch, das linke Bein an die linke Wand, das rechte an die rechte Wand gedrückt. So ging es nun voran. Derweil legten sich auch andere Touristen auf die Nase, weshalb ich froh um meinen "Spinnengang" war. Endlich geschafft! Hat sich wirklich gelohnt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie wundervoll es da unten war. Mit heute haben wir insgesamt sechs solcher Schluchten mit Naturpools bewandert. Mal mehr, mal weniger komplizierte Zustiege. Das kühle Nass war immer eine willkommene Angelegenheit bei der Hitze. Das erste was ich mache , wenn ich morgens um 6:30 Uhr das Zelt verlasse, ist den Bikini anzuziehen, denn in kürzester Zeit wird die Sonne sehr hoch stehen und uns unter ihr brutzeln lassen. Da ist es im Bikini unterm luftigen Kleid definitiv angenehmer.

Gestern hatten wir auf der Map gesehen, dass es am Visitor Center im Park Duschen geben soll. Leider mussten wir uns gegen 17 Uhr davon überzeugen, dass der Center um 16 Uhr schließt. Also heute keine Dusche  :( ... dachten wir. Dann fiel uns aber die Campingdusche ein, die wir dabei hatten. Wir fuhren am östlichen Wassertank des Parks vorbei und füllten einen unserer leeren Kanister mit Wasser auf. Das würden wir später zum duschen und Geschirr spülen benötigen. Nächster Halt ist der Campground. Nachdem wir uns "geduscht" hatten, wollten wir uns mit dem Gaskocher unser Abendessen zubereiten. Aber die Gaskartusche wollte da nicht mitspielen, sie wollte heute Abend lieber leer sein. So stiefelten wir los, mit dem kalten Reis im Topf, die Barbecue - Vorrichtung des Campgrounds zu inspizieren. Siehe da- es gab nicht nur Gasgrills, sondern auch Gasherde. Perfekt! So konnten wir unser Esses also doch noch aufwärmen :) Yammie! Als wir den Campground morgens verließen, buchten wir den gleichen Platz ebenfalls für heute Abend. An sanitären Anlagen gibt es zwar wieder nichts außer des Luxusplumsklos, aber dafür gibts hier den Supergasherd, den wir abends wieder brauchen würden. Übrigens erfreuten wir uns auch morgens an seiner Anwesenheit- Kaffee und Tee waren so zum Frühstück möglich! ;)

Pilbara-Tom Price

In den 50 er Jahren war ein Viehzüchter aufgrund einer Unwetterfront gezwungen, tief über ein bisher unerforschtes Gebiet zu fliegen. Hierbei fielen ihm blaue Adern auf, die sich durch das Gestein zogen. Damit  entdeckte er das zu der Zeit weltgrößte Eisenerzvorkommen. Prompt wurde direkt neben dem Lager das Örtchen Tom Price aus dem Boden gestampft. Man lockte die Mienenarbeiter mit außergewöhnlich hohen Gehältern an den Ort, der nichts zu bieten hatte, außer Arbeit. Mittlerweile hat sich ein kleines, feines Städtchen entwickelt, welches durch seine Nähe zum Karijni Nationalpark und den Führungen durch die Miene mittlerweile sogar Touristen anzieht. So wie uns ;-) Heute Morgen standen wir wieder Mal früh auf, um als erste am Touristenbüro zu sein, denn wir wollten unbedingt in diese Miene. Dafür muss man aber eine geführte Tour buchen für umgerechnet 24€ . Pünktlich zur Ladenöffnung standen wir da und Schau an... wir ergatterten die letzten beiden Plätze für die nächste Tour. Man gab uns einen Sicherheitshelm und eine Schutzbrille und schließlich wurden wir eine halbe stunde darauf von einem Reisebus abgeholt. Nun sahen wir auch die anderen Touristen. Wir waren so ziemlich die einzigen jungen Hüpfer auf dieser Rentnerfahrt :D Aber das störte uns nicht weiter. Unser Busfahrer war gleichzeitig auch der Guide. Er prabbelte die Fahrt über fröhlich ins Mikrofon-wir vermuten, dass er Informatives zum Eisenerzgewinn erzählte, verstandes haben wir es jedoch nicht. Leider :( Dass der Fahrer einen Witz gerissen hatte erkannten wir daran, dass der ganze Bus lachte - außer uns. Naja gegen laute Motoren, die laufende Klimaanlage und einen unglaublich ausgeprägten Akzent kommen meine Sprachkenntnisse dann wohl doch nicht an. Was wir sehen konnten waren riesige Gerätschaften, mindestens so groß wie Einfamilienhäuser. Was wir verstanden haben ist, dass sie mit ihrem eigenen Gewicht ca. 450 Tonnen bewegen können und dabei 30 Liter Diesel pro Kilometer verfahren. Ein einziger Reifen dieses Monstrums kostet 30.000$. Einmal durften wir für 10 Minuten den Bus verlassen, um von einer eingezäunten Besucherterrasse in die Miene runter schauen zu können. Ab und an hupte der Busfahrer die geschäftigen Baggerfahrer auf den Pisten an, die dann aufblinkten und mit ihren Baggerschaufeln Winkbewegungen nachahmten. Es war auf jeden Fall mal interessant zu sehen, wie das Eisenerz beschafft und vor allem transportiert wird. Kilometer lange Wagonzüge verfrachten den Rohstoff bis nach Dampier und Port Hedland. Dank der Miene erlangten diese Nester ein wenig Berühmtheit. Um die Hauptabnehmer China und Japan mit Eisenerz versorgen zu können wurden hier die Fischerhäfen zu riesigen Industriehäfen ausgebaut. Diese Städte liegen auch noch auf unserer Route, ich bin gespannt.

Als nächstes kam uns eine wenig glorreiche Idee. Um 11:30 Uhr fiel uns ein, wir könnten doch den 1200m hohen Mount Nameless besteigen. Da Tom Price mit  750 Höhenmetern die höchstgelegenste Stadt West Australiens ist, fehlten uns nur noch 450 Höhenmeter in der Mittagshitze bei 33 Grad. Eine ziemlich unüberlegte Aktion, aber wir sagten uns: Wir sind doch noch jung, wir können das schon ab! Konnten wir im Endeffekt auch, aber es war unglaublich anstrengend-definitiv eine körperliche Herausforderung. Der komplette Berg war mit Geröll von kleinen Steinen bedeckt. Man musste also sehr penibel darauf achten, nur auf sichere, feste Steine zu treten bzw. sich an ihnen entlang zu hangeln. Nach 40 Minuten hatten wir es geschafft. Belohnt wurden wir mit dem einzigartigen Panoramablick über die Berggipfel der Pilbara-Region, Tom Price und sogar über die Miene. Hier legten wir unser Mittagspäuschen ein. Schnell waren die Strapazen des Aufstiegs in Vergessenheit geraten.

Am Nachmittag waren wir einkaufen. Obst, Gemüse und Brot dürfen auch beim Camping nicht fehlen. In der Einkaufsstraße liefen wir an einer Bank vorbei und mir fiel ein, dass ich meine Traveller Schecks bisher noch nicht einlösen konnte. Liebe Freunde ich gebe euch einen Tipp: Man braucht keine Traveller Schecks, um zu verreisen. Die wenigsten können hier etwas damit anfangen, geschweige denn einlösen. Heute zu Tage kann man ja alles mit der Kreditkarte erledigen. Es brauchte 45 Minuten bis die Dame am Schalter der Westpac Bank herausgefunden hatte, wie sie mein deutsches Papier in australisches Papier umwandeln konnte.

Weiter machten wir uns auf den Weg zum Karijni National Park. Da der nächstgelegene Campingplatz mal wieder ausgebucht ist, heißt es heute Wildcampen, aber das macht uns nichts aus. Mitten in der Steppe Australiens bauten wir sodann unser "Heim" auf. Richtig herrlich. Gemütlich bereiteten wir das Abendessen vor. Während wir da so saßen und aßen schauten wir gen Horizont und genossen den Anblick der untergehenden Sonne. Hier im Inland ist es auch abends noch schön warm, sodass man in T- shirt and Shorts draußen sitzen kann. Jedoch haben wir in der Wildnis nicht wirklich die Gelegenheit dazu. Sobald das Tageslicht verschwunden ist und die Dunkelheit hereinbricht wird es für uns Zeit, sich ins Zelt zu verziehen. In der Nacht haben wir draußen nichts mehr verloren, dann gehört das Revier den Tieren und mit denen wollen wir uns nicht anlegen ;-)