Donnerstag, 23. Oktober 2014

Outback-Uluru (Ayers Rock)

Der Ayers Rock heißt in der Aborigine Sprache Uluru und soll auch eigentlich so genannt werden. Trotzdem steht überall Ayers Rock. Dieser riesige Fels inmitten des roten Herzen Australiens ist für die Aborigines von großer Bedeutung. Die Regenbogenschlange, eines der Schöpfertiere ihrer Traumwelt haust nämlich im Inneren dieses Kolosses. In ihrer Traumwelt (was nichts mit unserem Verständnis von Träumen zu tun hat) haben verschiedene Schöpfergestalten in Form von Tier, Pflanze oder Mensch die Welt erschaffen und den Menschen das Land übergeben, als diese reif dazu waren, sich um die Natur und das Land zu sorgen. Rund um den Uluru haben die Aborigines in seinen Höhlen, Wasserlöchern und Nischen Zeremonien abgehalten, um Kontakt zu ihren Schöpferwesen aufzunehmen und vor allem über 50.000 Jahre hinweg zu halten. Im Schatten dieses Felses haben sie bei einem Feuerchen in einer Runde beisammen gesessen, die Älteren haben den Jüngeren die Sagen überliefert. Die Geschichte der Aborigines spielte sich im Grunde genommen nicht auf dem Berg, sondern rund um den Berg ab. Das versuchen die Ureinwohner den Touristen klar zu machen, indem sie sie darum beten, den Berg nicht zu besteigen, sondern lieber den Rundweg um ihn herum zu laufen. Sie sagen, das, was den Uluru ausmacht liege nicht auf dem Berg, sondern in ihm. Trotzdem existiert ein "präparierter" Aufstieg. Dieser schließt jedoch jeden Morgen um 8 Uhr, wenn die Temperatur zu früh schon bei 36 Grad liegt. Direkt neben dem Aufstieg steht ein Schild; die Aborigines bitten um Respekt für ihre Kultur und wünschen sich, dass die Touristen den Uluru nicht besteigen. Als wir dort waren, war der Aufstieg aufgrund der Hitze geschlossen. Auch, wenn er geöffnet gewesen wäre, hätten wir es aus Respekt vor der Aborigine-Kultur und der hohen Gefahr nicht getan. 36 Menschen haben hier beim Versuch des Aufstiegs ihr Leben gelassen. Es gibt wohl auch Buttons zum Anstecken, auf denen steht; We didn't climb Uluru!

Wir entschieden uns trotz der Hitze dazu, den 10,4 Kilometer langen Rundweg um den Uluru zu laufen. Der Weg war zwar recht monoton, aber immerhin können wir jetzt sagen, dass wir den Uluru von allen Seiten gesehen haben :) Gegen 11 Uhr am Vormittag hatten wir den Weg beendet und uns war nur nach einem Swimmingpool zumute. Also zurück zum Campingplatz, ein bisschen abkühlen. Abends machten wir uns wieder auf zum Uluru, um den Sonnenuntergang dort zu erleben. Hoffentlich haben wir heute mehr Glück mit dem Wetter als gestern. Aber nein... es ist wieder bewölkt. Eigentlich soll die tief stehende Sonne den Felsen in einen rötlichen Schleier hüllen. Leider sieht man davon nicht viel, wenn sich Wolken vor die Sonne schieben. Naja wir haben es zweimal versucht. War trotzdem immer wieder ein schöner Spot fürs Abendessen gewesen ;-) Beim Sonnenaufgang hatten wir mehr Glück mit dem Wetter. Schön :) ...Wenn man von den 376 anderen Touristen neben einem selbst absieht.

Outback- Kings Canyon

Heute Morgen haben wir es geschafft, um 8 Uhr am Eingang zum 6 Kilometer langen Kings Canyon Trail zu stehen. Der Aufstieg an der steilen Felsmauer entlang war gar nicht so ohne. Oben auf dem Canyon angekommen ging es aber netterweise quasi nur noch auf einer Ebene geradeaus, ab und zu noch mal auf und ab, ist ja nun mal ein Canyon. Aber dafür wurden wir auf dem Gipfel mit einer respekteinflößenden Sicht runter in die Schlucht belohnt. In der Schlucht selbst konnte man einen kurzen Weg noch weiter hinab gehen, um den Garden of Eden zu besichtigen. Dieser wundervoll grün bewachsene Garten inmitten der roten Felswände des Canyons gleicht einer Oase. Auch, wenn der Aufstieg relativ anstrengend war, ist der Rundweg auf jeden Fall empfehlenswert. Auf unseren Trails begleitet uns stets Davids Garmin, ein Outdoor GPS-Gerät. Mit dem Gerät würden wir uns selbst in der absoluten Pampa nicht verirren. Wir haben es immer dabei, damit wir die Geocaches finden können. Geocaches sind so etwas wie eine organisierte Schnitzeljagd für Erwachsene. Man gibt vorher im Internet die Route ein, die man vorhat, zu reisen und sucht sich dann die angegebenen Geocaches raus. Nachdem wir heile wieder den Erdboden erreicht hatten, stand uns eine drei stunden lange Autofahrt Richtung Uluru bevor. In Curtin Springs gab es noch eine kühle Erfrischung in Form von Eis und Cola bevor wir die letzten Kilometer zu Australiens Star, dem Ayers Rock bestritten.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Outback- West MacDonnell Ranges

Sonntag Morgen. Tanken. Großeinkauf. Flughafen. Ricarda und David einsammeln. Outback! :) Auf unserer Route liegen die West MacDonall Ranges. Die 640 Kilometer langen Bergketten sind ein treuer Begleiter auf unserem Roadtrip. Sie versüßen einem die triste Dünenlandschaft des Outbacks. Den ersten Stopp legten wir bei der Serpentine Gorge ein. Steil ging es den Berg hinauf. Leider stand am Schild am Eingang nur, dass der Weg 1,1 Kilometer lang ist, nicht, dass man quasi nur bergauf geht. Bei 1,1 kilometern brauchen wir doch wohl kein Wasser mitschleppen , dachten wir. Wir sollten eines besseren belehrt werden, als wir schließlich den steilen Weg nach oben bestritten. So ein Fehler passiert uns sicher nicht nochmal.

Am Nachmittag hielten wir ein paar Kilometer weiter westlich in der Glen Hellen Gorge, um ein kühles Bad zu nehmen. Hier war auch direkt ein Campground, wo wir nächtigten. Für den nächsten Morgen nahmen wir uns einen 7 Kilometer langen Trail durch die Ormiston Gorge vor. Der Trail führte an einigen Lookouts vorbei, von wo aus man eine sagenhafte Aussicht auf die Ranges und die Schluchten hat. Am Ende des Trails führte uns der Weg durch das trockene Flussbett. Hier funkelten uns so einige Steine glitzernd entgegen. Irgendwann gelangten wir an ein Wasserloch, was durchquert werden musste. Ich dachte ich könnte es trockenen Fußes ans andere Ufer schaffen, indem ich über die Steine hüpfe. Wie gesagt, dachte ich... Nun ja am Ende saß ich dann doch im Wasser, aber wenigstens hatte es eine abkühlende Wirkung :) :)

Vor uns lagen 250 Kilometer rote Outbackpiste bis zu unserem nächsten Ziel, dem Kings Canyon. Dieser Strecke hatte sich David angenommen. Eigentlich hat das links Fahren ganz gut geklappt. Lediglich nach einer kurzen Rast fiel er kurz in das deutsche Muster zurück und fuhr auf der rechten Spur. Schnell hatten Ricarda und ich ihn daran erinnert, dass er in Australien ist and bitte links fahren möge ;-) Mit den letzten Sonnenstrahlen und dem letzten Tropfen Benzin im Tank erreichten wir der Campingplatz der Wahl für diese Nacht. Hier warnten uns überall Schilder davor, Essen frei rumstehen zu lassen, die Dingos seien in dieser Gegend oft gesichtet worden und sie können aggressiv werden. Tatsächlich haben wir sie auch gesehen. Auf den ersten Blick denkt man sich, Oh was ein hübscher Hund, aber im nächsten Moment realisiert man: Halt, das ist ein Wildtier. Aufpassen!

Samstag, 18. Oktober 2014

Outback - Alice Springs



"It's a town where many people intend to stay only for a short while but somehow find it impossible to leave. What engages people is hard to identify; it could be the climate; the clean air, or the relaxed pace. It could be the red glow of the Ranges or the night full of a million stars." So heißt es in der Visitor Informationsbroschüre. Hier bin ich nun, in Alice Springs, "in the middle of nowhere", im roten Herzen Australiens, in der Wüste. Der Grund warum ich hier gelandet bin, ist die Nähe der Stadt zum Ayers Rock. Drei Nächte werde ich hier bleiben, Sonntag hole ich Ricarda und David vom Flughafen ab und dann geht es Richtung Abenteuer Outback. 

Donnerstag Abend landete ich also nach einem zwei Stunden langen Flug in Alice Springs. Mit dem Shuttle Bus ging es in die 20 Minuten entfernte Stadt, direkt zum Hostel :) Ich hatte einen Schlafraum für vier Frauen gebucht. Als ich das Zimmer betrat, waren schon drei Mädels drinnen, zwei Däninnen und eine Schweizerin. Sie kannten sich von der Uni in Melbourne, wo sie derzeit ein Auslandssemester absolvieren. Kaum hatte ich den Raum betreten, startete auch schon die Konversation. Das geht hier Ratzi Fatzi. Schnell hatten wir beschlossen, diesen Abend zusammen etwas Trinken zu gehen. Ich zog mich so an, wie ich es die letzten zwei Wochen im Norden immer getan hatte - auch abends. Shorts, T-hirt, Sandalen. Erst als die Mädels mich etwas entsetzt anschauten und fragten, ob ich mir nicht etwas Wärmeres anziehen wolle, realisierte ich, dass ich nun 1500km weiter südlich bin und es hier vielleicht doch etwas kälter werden könnte nachts. Doch lange Hose, geschlossene Schuhe und Strickjacke. Recht schnell war ich froh darüber, mich wie empfohlen wärmer angezogen zu haben. Wir hatten einen richtig netten Abend in einem Pub in der City. Haben über dieses und jenes geredet, vor allem über die unterschiedlichen Schulsysteme. Obwohl unsere Länder in Europa quasi wahbam sind, ist doch sehr vieles unterschiedlich. Habt ihr schon mal drüber nachgedacht, wie ihr "Kulturbeutel" übersetzen würdet? Uns ist aufgefallen, was für eine merkwürdige Namensgebung das doch eigentlich ist. Niemand würde mich verstehen, würde ich von "Culture bag" reden. Also umschreiben ;-) Das geht immer! 

Am nächsten Morgen standen die Mädels um 5 Uhr in der Früh auf, da sie zu ihrer Uluru-Tour abgeholt wurden. Juhu! Jetzt bin ich auch wach und nun? ... Dann los, nutze ich mal die Morgenstunden, um mir den Sonnenaufgang vom Anzac Hill aus anzuschauen. Grandios, wie die Sonne hinter dem Rücken der hohen Mac Donall Ranges empor steigt. Super, jetzt ist es immerhin 6:20 Uhr. Aber die Stadt schläft immer noch. Also zurück zum Hostel und rein in die Sportklamotten. Ich hatte keinen Plan, konnte schließlich auch keinen nach einer schönen Joggingstrecke fragen, da alle noch schliefen. Drum  es, einfach mal drauf los laufen und schauen wo ich lande. Mein Instinkt hat mich aber in die richtige Richtung gelenkt. Geradewegs auf eine bergige Dünenlandschaft hin. Hier wurden rund um die alte Telegraph Station Mountain Bike Tracks prepariert. Ich suchte mir einen der kürzeren Wege aus, welchen ich auch gut zu Fuß bewältigen konnte. Tolle Strecke - auch zum Laufen! Während des Frühstücks im Hostel lernte ich vier deutsche Work and Traveller kennen. Sie waren seit 6 Wochen unterwegs und hatten noch keinen Job gefunden. Da sie in Alice auch nicht fündig wurden, werden sie am nächsten Tag nach Cairns weiterfahren. Die günstigste, aber wohl mit auch anstrengendste Variante für sie ist es, im Auftrag einer Autovermietungsfirma, einen 6-Betten Camper innerhalb von 5 Tagen von Alice nach Cairns zu bringen. 

Den Rest des Tages saßen wir beisammen und plauderten über das Reisen, das Arbeiten und das Leben. Sobald sich jemand zu uns gesellte, der ausnahmsweise mal kein deutsch sprach, switchten wir aus Höflichkeit sofort auf Englisch um. Für den Abend hatte ich einen Sunset Kamelritt in die West MacDonald Ranges gebucht. Der Hinweg war nur gar nicht so einfach, wie zunächst angenommen. Um 17 Uhr sollte ich am Hostel abgeholt werden. Tatsächlich habe ich es geschafft, in den falschen Bus einzusteigen. Dieser sollte zu einer Kängurufütterung fahren und nicht zu einem Kamelritt. Als wir das herausgefunden hatten, dauerte es ein paar Telefonate und dann hatte sich alles geklärt und ich wurde doch noch von meinem Bus abgeholt (der Guide hatte mich inzwischen im Hotel gesucht und alle gefragt, ob sie Victoria seien - wie mir im Nachhinein berichtet wurde. So hinterlässt man Spuren :):) ) Es war klasse! Den Sonnenuntergang hinter den Ranges vom Rücken eines Kamels (eigentlich eher Drommedar) zu erleben, wie sie einen gemächlich durch die Steppe tragen. 

Am nächsten Morgen lief ich in Richtung Stadt, um unseren Wagen bei der Autovermietung abzuholen. Leider ging das auch nicht so glatt, wie ich mir das gewünscht hätte. Vor zwei Monaten schon hatte ich in Deutschland mein Kreditlimit hochsetzen lassen, damit ich das Auto allein bezahlen können würde. Das hat wohl auch alles geklappt. Trotzdem konnte der volle Betrag für das Auto nun nicht abgebucht werden. Und nun? Im Endeffekt wurde uns das Abgabedatum von 06.11. auf den 30.10. gekürzt und damit auch die Summe. Für die Anzahl der restlichenTage konnten sie das Geld nicht abziehen. Den Rest muss ich telefonisch klären, da wir sonntags losfahren und die Vermietung erst Montag wieder aufmacht. Nur werde ich in Outback wohl keinen Empfang haben^^ Nächstes Mal besser planen oder mindestens eine Notfallkreditkarte dabei haben! Immerhin hab ich das Auto schon bekommen :) Dieses Mal Automatik. Da man hier das Auto mit einem leeren anstatt eines vollen Tanks bekommt, fuhr ich es schnell zum Hostel und parkte es. Nachmittags besichtigte ich die kleine Stadtmitte zu Fuß. Für Autos ist hier kaum Platz, so eng ist es hier. Mein erstes Ziel war der botanische Garten. Auf halber Strecke bemerkte ich, dass ich die Sonnencreme vergessen hatte. Egal, sagte ich mir. Meine Haut ist jetzt dran gewöhnt,  die verkraftet das schon. Aber nein! Ich hatte das Gefühl, zu verbrennen. Schnell flüchtete ich mich in das Cafe des botanischen Gartens. Hier ruhte
 ich mich bei einer kalten Limonade aus. Aber bis die Sonne untergeht kann ich hier wohl nicht sitzen bleiben. Also biss ich in den sauren Apfel, ab in die Sonne. Kurze Zeit später entschloss ich mich dazu, einfach eine andere Touristin zu fragen, ob sie Sonnencreme dabei habe und ob ich vielleicht etwas davon abhaben dürfe. Mein Glück, dass andere an die Sonnencreme denken. Schließlich sprach ich eine Frau an, die grade im Schatten Pause machte. Sie war so lieb :) Sie hatte eine kleine Tube 50 + dabei und meinte, sie habe sie grade erst geöffnet, ich solle sie behalten. Und dann fügte sie noch so etwas hinzu wie wir helle Hauttypen müssen doch zusammenhalten ;-) 

Nachmittags besuchte ich das Museum des Royal Flying Doctor Service. Das war ziemlich interessant. Insgesamt haben sie 63 kleine Flugmaschinen im Einsatz und sind so in Australien stationiert, dass sie 80% des Landes im Notfall innerhalb von 2 Stunden erreichen können. Zum Beispiel werden im Outback 64.000 Menschen auf 800.000 Quadratkilometern bedient. Es gibt so genannte Basen, wo zu regelmäßigen Zeiten ein Zahn-/ Haus- oder Frauenarzt erscheint, welchen die Bewohner alle paar Monate aufsuchen können. Ansonsten wird die Diagnose bei Beschwerden über das Telefon geregelt. 1930 war das noch vergleichsweise schwierig, konnte man sich doch nur über ein Funkradio verständigen. Die Krankenschwestern des Royal Flying Doctor Service müssen viele verschiedene Scheine machen. Sie müssen sich auf der einen Seite das Wissen einer Stewardess aneignen und auf der anderen zusätzlich das Wissen einer Hebamme. Ohne den Royal Flying Doctor Service wäre das Leben im Outback wohl umöglich. Pro Tag fliegen sie in ganz Australien circa 3-12 mal aus, um Leben in ländlichen Gebieten zu retten.  

Am Abend gab es im Hostel ein Barbecue, mein erstes in Australien. Total super! Alle versammelten sich im Innenhof, aßen zusammen und quatschten über dieses und jenes. Ich saß mit drei Deutschen, einer Kanadierin und einem Amerikaner am Tisch. Jeder hatte irgendwas aus seinem Land zu berichten, was wir dann untereinander mit den eigenen Bräuchen verglichen. Wusstet ihr, dass man in Kanada auch "Wanderlust" und "Schadenfreude" sagt? Gut, dass wir Deutschen einfach immer die Wörter zusammenreihen, ohne ein neues zu erfinden, wie etwa auch bei "Handschuh" :) Das deutsche "V" spricht man entweder wie ein "F" oder ein "W" aus, wenn es am Anfang eines Wortes steht. Aber eine wirkliche Regel für die Unterscheidung gibt es dafür nicht. Man muss es wohl oder übel auswendig lernen. Da bin ich echt froh, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Über so etwas macht man sich Gedanken, wenn man mit unterschiedlichen Nationen am Tisch sitzt, wie welche Buchstaben ausgesprochen werden :D. Irgendwann wechselte das Thema zu Movies. Die Kanadierin erwähnte, das ihr Lieblingsfilm "Silence of the lambs" sei. Als ich anmerkte, dass ich das "Schweigen der Lämmer" noch nicht gesehen habe, meinte einer der Jungs, er habe den Film im Fernsehraum gesehen. Also ab in den Fernsehraum. Auf VHS! Könnt ihr euch das vorstellen? Haha! :)

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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Chapter 1: West Coast - Resumé

32 Tage lang haben Chris und ich nun die Westküste bereist. Von Perth bis nach Darwin. 6000 Kilometer haben wir zusammen mit unserem 4 WD auf Australiens Straßen, Highways, Alleen und Offroadpisten zurückgelegt. Unzählige Stunden haben wir im Auto verbracht. Bei Tag. Weniger bei Nacht. Die traurige Bilanz: Man könnte fast behaupten, dass wir dabei insgesamt mehr tote Kängurus am Straßenrand als lebendige in freier Natur gesehen haben.

Nachdem ich in Hongkong erlebt hatte wie es ist, wenn eine Stadt viel zu wenig Platz für viel zu viele Menschen hat, konnte ich nun Zeuge davon sein, wie es sich mit dem Gegenteil verhält. Australien ist so gigantisch groß für seine kleine Zahl an Anwohnern. Zum Vergleich: Australien entspricht in etwa der Fläche Europas und hat nur 20 Millionen Einwohner (Deutschland hat 80Mio.). 2,5 Millionen Australier wohnen in Westaustralien. Und davon allein 1,7 in Perth.  Vielleicht gibt euch dieser Vergleich eine Vorstellung davon, wie "leer" der Rest West Australiens sein muss. Ansonsten wäre es wohl kaum möglich, dass es auf 400 Kilometern Entfernung nichts, also wirklich rein gar nichts gibt, nicht mal eine Tankstelle. Könnt ihr euch das vorstellen? Während 400 Kilometern auf deutschen Straßen kommt man an mindestens zwei Großstädten, 15 Kleinstädten, 30 Tankstellen, einem Ikea, 5 2 McDonalds eto. vorbei. Man kann also sagen, dass die letzten vier Wochen eher ruhig und entspannt waren. Was zuletzt wohl auch daran liegt, dass die Westküste bei weitem nicht so touristisch ist wie die Ostküste. Die meisten, die nach Australien kommen wollen die Ostküste bereisen. Aber Westaustralien bot mir eben genau das, was ich wollte: Weite, Ferne, unberührte Natur, so wenig Touristik wie möglich, eine vielfältige Pflanzen-und Tierwelt, Unendlichkeit. Was es mir außerdem gab, waren 32 wundervolle Sonnenuntergänge und ebenso viele traumhafte, sternenklare Nächte weit weg von Lärm, Licht und Hektik, was große Städte meist an sich haben. Es ist verrückt, aber man freut sich fast schon ein bisschen über das vertraute Geräusch der Ampeln, wenn man dann nach 4 Wochen wieder Zivilisation erreicht. Echt Crazy, auf den 6000 Kilometern gab es quasi keine Ampeln, es ging immer geradeaus. Aufgrund der Weite und der Unerschlossenkeit westaustralischer Gebiete hätte ich diesen Trip nicht alleine unternehmen können. Umso froher bin ich, dass ich Chris gefunden habe. So hatte ich nicht nur eine tolle Reisebegleitung, sondern auch im Vorhinein jemanden, mit dem ich die Reiseroute detailliert planen konnte und vor allem jemanden, mit dem ich die VORFREUDE teilen konnte, was viel wert war.

Jetzt sitze ich im Flieger nach Alice Springs; 15OO Kilometer in zwei Stunden. Chris hatte vor zwei Stunden schon den Flieger zurück nach Deutschland genommen. Morgen Mittag wird er in Frankfurt landen, während mein Abenteuer sich hier weiter fortsetzt. Das Kapitel "Reisen mit Fremden" ist damit dann auch abgeschlossen. War definitiv eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Vor allem hat es mir gezeigt, dass es für die Verwirklichung seiner Träume keine Ausreden gibt. Hätte ich aufgegeben, nachdem sich aus Familien- und Freundeskreis niemand für die Westküste hat finden lassen, hätte ich sie nicht gesehen. Es gibt immer eine Lösung, man muss sie nur finden ;-) Außerdem bin ich jetzt unter die "Ärzte-Fans" gegangen. Danke dafür Chris :)

Immer wieder erstaunlich, wie schnell man neue Leute kennen lernt, wenn man alleine unterwegs ist. Nachdem Chris seinen Flieger genommen hat, lagen zwei Stunden Wartezeit im Cafe vor mir, bis auch mein Flieger ging. Kurze Zeit später sprach mich eine junge Frau an, ob an meinem Tisch noch ein Platz frei sei. Klar doch : ) Wir kamen ins Gespräch und quatschten so lange bis mein Flug zum Boarding aufgerufen wurde. So verging die Zeit wie im Nu. Sie kommt aus den Niederlanden und macht ein Jahr lang Work and Travel in Australien. Zur Zeit arbeitet sie als Fotografin in Brisbane. Unglaubliche Bilder macht sie-kreatives Köpfchen. Schnell tauschten wir noch unsere Kontaktdaten aus und verabschiedeten uns mit der Idee, dass ich sie im Dezember besuchen werde, wenn ich die Ostküste bereise. Kaum saß ich im Flieger kam ich mit der nächsten Frau ins Gespräch, etwa das Alter meiner Mutter. Wir haben uns lange unterhalten. Sie hat mir viel über ihr Leben und ihre Arbeit erzählt. Sie ist gebürtige Engländerin und arbeitet seit drei Jahren als Krankenschwester in einer sehr kleinen Stadt mitten in der Wüste, weit weg von allem. Sie sagte sie könne dort sehr gutes Geld verdienen, weil es ein Ort ist, an dem keiner leben möchte. Sogar die Wohnung wird ihr bezahlt. Sie erzählte mir, dass die meisten ihrer Patienten Aborigines seien und Alkohol ihnen große Probleme bereitet. Viele der Aborigines vertrauen immer noch mehr auf die Buschmedizin, als auf die moderne Medizin, weshalb ihre Sterbensrate vergleichsweise erschreckend hoch ist. Sie selbst hatte vor einiger Zeit für15 Jahre in Deutschland als Krankenschwester gearbeitet, hat dort ihre Ausbildung gemacht. Ihr Sohn wohnt sogar in Deutschland. Sie allerdings möchte nicht zurück, deutsch ist halt nicht ihre Muttersprache und dort fehle dann ein Stück Heimat, wie sie sagt. In Australien kann sie gutes Geld verdienen und so wird sie vorerst hier bleiben. Viele handhaben das so, kommen nach Australien, um zu arbeiten, um Geld zu verdienen und zu sparen. Irgendwann gehen sie dann wieder zurück. Vor allem körperliche Arbeiten wie in der Miene, auf der Baustelle etc. werden außerordentlich gut bezahlt, weil das Arbeiten sind, die bei der Hitze nicht sehr begehrt sind, aber trotzdem erledigt werden müssen. Bisher haben mir viele gesagt, dass in Alice Springs ein rauer Ton herrsche und es nicht empfehlenswert ist nachts auszugehen. Ich bin gespannt was mich erwartet.